Erster  Österreichischer  Sommelierclub Weinreise  2009 Espana – Priorato vom 3. – 6. November 2009

Wieder einmal war es soweit – der 1. ÖSTERREICHISCHE  SOMMELIERCLUB ging auf Wein-Studienreise, diesmal ins spanische „PRIORATO“. Erfahren Sie hier mehr über den Reisebericht der Weinreise nach Spanien.

Von Florian Moosbrugger und Beate Espinoza-Mayer ein bestens zusammengestelltes Reiseprogramm verlangte den über 20 Teilnehmern alles ab und bot manche außergewöhnliche Überraschung.
Die Anreise zum Treffpunkt nach Barcelona war individuell, ich durfte mit einer kleinen Gruppe vom Arlberg zum Flughafen Zürich mitfahren.  Am Weg dorthin liegt die „BODEGA RIOJA“ von Beate Espinoza-Mayer in Lustenau.
Dort wurden wir schon am halben Vormittag sehr gastfreundlich aufgenommen. Ein umfangreiches. Spanisches Frühstück, das mit Olivenöl, Weißwein und Brandy erweitert wurde, war eine erste Einstimmung auf die kommenden Tage.

Ankunft Barcelona

Pünktlich am Flughafen angekommen, brachte uns der Airbus der SWISS problemlos und ruhig nach Barcelona. Dort wurde bei herrlich mildem Herbstwetter das Hotel NERI nach einer weiteren halben Stunde erreicht.  Nach und nach trafen die restlichen Teilnehmer in den engen Gässchen der Altstadt ein, wo sich das Hotel befand. Die Zeit zwischen Ankunft und Restaurantbesuch um 20.00 Uhr wurde individuell genutzt.
Nach einem ersten Begrüßungsdrink an der Bar spazierte man durch die bekannten Straßen von Barcelona. Von der berühmten „Rambla“ war der einzigartige „Mercat de la Boqueria“ – ein sehr gepflegter, sauberer Fisch-, Fleisch-, Obst-, Gemüse- und Patisserie – Markt, ein beliebtes Ziel. Dort wurden umgeben von drängenden Menschenmassen Käse, Seranoschinken, Chorizo, Salami, Oliven und Fischbällchen zum fruchtbetonten Weißwein genossen.  Unsere Gruppe vergrößerte sich zusehends, es hat sich offensichtlich herumgesprochen das es bei uns was Gutes gibt, wenn es auch mit der Hand gegessen wurde und der Wein nicht aus den richtigen Gläsern getrunken wurde.

Der erste Abend begann mit einem erfrischenden Glas CAVA zum Treffen an der Hotelbar, bevor die gelb-schwarzen Taxis uns ins Restaurant „MONVINIC“ brachten. In diesem In-Lokal war zum „Wine-Tasting“ gedeckt mit 16 Gläsern pro Person und einer Bildschirm-Präsentation. „Was ist Priorat und was gibt es im Priorat“ waren die zwei zentralen Fragen dieses Abends.

Die beiden Sommeliers ANTONIO und CESAR versuchten uns möglichst viele Informationen mit zu geben und präsentierten uns eine Stunde lang folgende Weine:
1. CELLER  ACÚSTIC 2007  – Els Guiamets – Montsant Braó
(45% Garnatxa, 55% Carinyena)  14,5%
2. MAS  DOIX  2006  – Poboleda – Priorat
(48% Garnatxa, 50% Carinyena, 2% Merlot)  15%
3. MAS D`EN  GIL  2004  „Clos Fontá“ – Bellmunt – Priorat
(20% Carinyena, 30% Garnatxa Peluda, 25% Garnatxa, 25% Cabernet Sauvignon)  15%
4. ÁLVARO  PALACIOS  2006  -  „Finca Dofi“ – Gratallops – Priorat
(Garnatxa, Caberbnet Sauvignon, Merlot, Syrah)  14,5%
5. L`ESPECTACLE  2006  -  La Figuera – Montsant
(100% Garnatxa)  14,9%
6. PORTAL  DEL  MONTSANT  2006  -  Marcá – Montsant Santbrú
(65% Carinyena, 15% Syrah, 20% Garnatxa)  14,5%
7. PERELADA  2005  -  Cims de Porrera – Porrera – Priorat
(100% Carinyena)  14,6%
8. TRIO  INFERNAL  2006  -  Torroja
(100% Carinyena)
9. FERRER – BOBET  2006  -  Selecció Especial  -  Porrera
(95% Carinyena, 5% Garnatxa)  15%
10. TERROIR  AL  LIMIT  2006  -  L`Arbossar  -  Torroja
(95% Carinyena)  14%

Zum umdecken der Tische wurde im stehen ein weiterer Apero serviert – CAVA. Zeigte sich mit großer Ähnlichkeit eines Jahrgangschampagners und harmonierte mit dem gebratenen Tintenfisch auf Artischocken hervorragend. Der frische, duftige und fruchtbetonte Weißwein mit enormer Kraft (14%) – „Dieser Wein hat was sexuelles“! – war zum lauwarmen Pilzsalat eine herrliche Kombination.

Der Rotwein zur Taube mit laschem, rohem Scampi war undekantiert, mit viel Depot, harmonierte aber.
Die Rebsorte „Sumoll“ war den meisten gänzlich unbekannt. Großen Genuss bereitete der MAS MARMNET 2006 zum gebratenen Babylamm auf Kartoffelpürée mit weißen Bohnen, ebenfalls viel Spaß machte der ALEMANY I CORRIO 2004 zum Wildschwein – die Gaumen wurden verwöhnt.
Zuletzt wurde noch ein leckeres Schoko-Dessert serviert – Schokomousse, Schokocreme, Brownies und Schokostreusel.
In Erinnerung bleiben wird uns ein originelles, außergewöhnliches Restaurant mit elektronischer Weinkarte und einem der besten Sommeliers Spaniens – CESAR, war Teilnehmer der letzten Sommelier-Weltmeisterschaft.

 MITTWOCH, 4. NOVEMBER  2009

Frühstück wird serviert – für jeweils zwei Personen auf kleinen Plateaus am Tisch. Des sehr frühen Heimkommens wegen, fehlten einige beim Frühstück, checkten aber doch noch rechtzeitig aus um zur Abfahrt nach Penedes im Bus zu sitzen. Der Weg führte uns direkt ins Gebiet des CAVA, vorbei an „Freixenet“ zu „GIRO  RIBOT“. Dieser Cava – Betrieb liegt an einem wunderbaren Platz mit Blick auf Gebirgszüge, inmitten der Rebfläche mit Palmen im Betriebsgebiet.
Begrüßt von Regina Ellias, führte sie durch das Weingut wo gerade „degorgiert“ und abgefüllt wurde.

Es war nicht der Sylvester, der Tag der guten Vorsätze für das neue Jahr, sondern einfach ein Tag im Jahr 1990, als sich die GIRO RIBOTS ihrer Wurzeln besannen, sich mit Experten von Remy, Cointreau zusammentaten und darangingen, Cava der neuen Generation zu bereiten. Paul Cheneau brachte den Esprit, die Chiro Ribots  die Grandezza. Ihre Cavas sind heute eine gelungene Mariage beider Kulturen.
Perfekt ausgestattet der Verkostungsraum, optimal abgewickelt die Degustation aus den bereits eingeschenkten Gläsern.
1.    GIRO  RIBOT  BLANC DE BLANC DO Penedés
2.    GIRO  RIBOT  MUSCAT  DO  Penedés
3.    PAUL  CHENEAU  BRUT  ROSÉ
4.    GIRO  RIBOT  BRUT  RESERVA
5.    GIRO  RIBOT  GRAN RESERVA MARE 2005 BRUT NATURE
6.    GIRO  RIBOT  AVANTGARDE  „Avant“

Etwa eine Stunde spätrer wurden wir zum Mittagessen eingeladen.  Auf Platten wurden Schinken, Speck, Salami, Chorizo, Bratwurst, Quiche und getoastetes Tomatenbrot gereicht, dazu Salate, jede Menge verschiedener Cavas, danach Espresso und kleine Süßigkeiten.
Das sonnige, milde Herbstwetter lud zum verweilen im Freien – so könnte man es ruhig länger aushalten.

Die Weiterfahrt ins PRIORAT

Diese Fahrt zeigte uns eine Landschaft, die deutlich hügeliger, bergiger und kurviger wurde. Diese Region liegt 150 km südwestlich von Barcelona und 50 km von Tarragona entfernt.  Das Priorat zählt zu den ältesten Distrikten Kataloniens, 23 Orte umfasst diese Region, die Hauptstadt ist FALSET mit 2.500 Einwohnern. Dem Landkreis PRIORAT werden zwei DO zugeteilt: DOC Priorat und DO Montsant. Die Anbaufläche beträgt ca. 3.400 Hektar. Das PRIORAT und das Weinbaugebiet RIOJA sind die einzigen DOC`s in Spanien.  Der Ursprung des Weinbaus reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück. Wein wird auf 150 – 950 Meter über dem Meer angebaut, in der DO Montsant und der
DOC Priorat gibt es etwa 100 Weinproduzenten.

Die Böden, häufig karger Schiefer, ergeben nur kleine Erträge und die steilen Lagen erfordern viel Handarbeit.
Die meistangebauten Rotweintrauben sind Garnacha, Carinyena, Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah, die Weißweine werden aus Macabeo, Garnacha Blanca und Pedro Ximénez hergestellt. Die gut ausgebaute, aber relativ enge Straße wurde derartig kurvig, das der Bus nur noch mit 20 – 30 km/h Höchstgeschwindigkeit sich dahinbewegte.

Dennoch wurde das BODEGA VALL LLACH in PORRERA pünktlich erreicht. Dieses relativ kleine Weingut arbeitet noch sehr traditionell, rustikal und mit einfachen Mitteln, wo sich alles in einer Halle abspielt. Man will die Tradition beibehalten.
Seit Beginn der 1990er Jahre gibt es dieses Bodega nun und von Anfang an gelten zwei unumstößliche Regeln:  Rigorosität und Qualität.  Vall Llach hat eine Anzahl großartiger alter Rieden, die man „Trossos“ nennt: Weinberge aus Carignan und Grenache im Alter von 60 bis 90 Jahre, die Dank penibler Auslese einzigartige Weine liefern. Es werden aber auch Trauben in hoher Qualität die zu den ältesten und berühmtesten von Porrera und Torroja gehören, zugekauft. Die daraus gewonnenen Weine werden „Vall Llach“, „Idus“ und „Embruix“ genannt.

Mit fünf Geländewägen begann eine abenteuerliche Fahrt in die Weinberge. Enge, staubige Schotterwege führten teilweise steil bergauf in eine wilde Gegend, wo außer Wein nur noch Oliven, Haselnüsse und Gewürzkräuter wachsen.
In den Rebzeilen stehen niedrige, bodennahe, großteils alte Stöcke, die in den Steillagen der kargen, trockenen Schieferböden nur mit viel Mühe bearbeitet werden können. Die Aussicht auf diese einzigartige Weinwelt des Priorat zeigte sich grandios.
Zurück im Ort wurde uns der Betriebsteil gezeigt – auf mehreren gut angelegten Stockwerken befinden sich sowohl Tanks als auch Barrique – Fässer. Auf der noch nicht ganz fertig gestellten Dachterrasse über dem Ort, wurden die Weine zur Verkostung eingeschenkt.
Inzwischen war die Sonne untergegangen und es begann zu dämmern – umso dunkler es wurde, umso besser wurden die Weine in den Bordeaux-Gläsern.
1.    EMBRUIX  2006
2.    EMBRUIX  2007
3.    IDUS  2006
4.    IDUS  2007
5.    VALL LLACH  2006
6.    VALL LLACH  2007

Mit diesen Weinen fand ein erstes bemerkenswertes kennen lernen des Priorates statt.

Die Strecke von Porrera nach Torroja war nicht lang, aber kurvig und bereits stockdunkel. Das kleine, romantische Örtchen musste im wahrsten Sinne des Wortes „erklommen“ werden. Am Berghang gelegen, wurden die Koffer steil hinauf in die Hotels getragen. Das Hotel „ABADIA DEL PRIORATO“ und das „CASA RURAL“ waren unsere Herbergen für die nächsten beiden Tage. Enge Gassen, bergauf, bergab, führten zum Bodega ROTLLAN TORRA, das von Albert und Jordi Rotllan betrieben wird.
Jordi führte mit stolz durch seinen Betrieb, doch als das zweite Gebäude in einem anderen Ortsteil besichtigt werden sollte war kein Licht zu kriegen, so begann die Verkostung im CASA RURAL etwas eher.
1.    ROTLLAN TORRA SEL. 2006
2.    ROTLAN TORRA SEL. ESPECIAL 2004
3.    ROTTLAN TORRA GRAN RESERVA 2004
4.    BALANDRA 2000
5.    AMADIS 2005
6.    TIRANT 2005
7.    ARIANE 1998
8.    CABERNET SAUVIGNON 2005 (Fassprobe)

Das Kellergebäude von ROTLLAN TORRA wurde im 16. Jahrhundert von den Mönchen des Karthäuserklosters SCALA DEI errichtet. 1982 wurde dieses dreischiffige Gebäude das an eine Kirche erinnert, von der Familie Rotllan Torra erworben. Mit seiner konstanten Temperatur von 15 Grad bietet es ideale Bedingungen, um hier die Weine in den 350 Barriques reifen zu lassen. Im Herzen des Priorat, im alten Dorf Torroja besitzt die Familie noch bis zu 100 Jahre alte Rebstöcke der autochthonen Rebsorten Carinena und Garnacha. Diese Reben werden auf den kargen Schieferböden kultiviert und liefern bei minimalen Erträgen Weine von außerordentlicher Konzentration. JORDI ROTLLAN, der in Bordeaux Önologie studierte, hat ergänzend dazu französische Rebsorten angepflanzt, die auf den terrassierten Weinbergen ideale Bedingungen vorfinden.  Die wichtigste Zeit ist für ihn die Ernte, die aufgrund der strengen Selektion bis zu eineinhalb Monate dauern kann. Das Ergebnis sind gigantische Rotweine, die international höchste Beachtung finden.
Nach diesen acht Weinen in hochwertiger Form wurden kleine Snacks zum Apero angeboten, eine weiße, U-förmige Art Hochzeitstafel war zum Abendessen gedeckt. Hundert kleine Kerzen in einer großen Silberschüssel sorgten für  romantische Stimmung, vier Musiker untermalten mit angenehmer Dinnermusik.

Zur Vorspeise servierte man „Friséesalat mit Granatapfelkernen und Schafskäsewürfel“ dazu TIRANT 2005, der sich als guter Essensbegleiter zeigte. Danach stellte sich die Frage „Zwiebelsuppe oder Knoblauchsuppe“, rustikal und  geschmackvoll gekocht. Der MAS D`EN COMPTE 2007 vom CELLER CAL PLA war zwar sehr kraftvoll und körperreich, doch auch frisch und würzig – harmonierte somit zu den Suppen bestens. Das Hauptgericht wurde am Buffet angerichtet „Rind- oder Schweinsbratenscheiben mit Zwiebelragout und Tomaten“ , dazu wurden die Rotweine der Verkostung eingestellt und abwechselnd getrunken.

Die „Rotweinbirne“ beendete als Dessert dieses Menü, bevor verschiedene Nüsse und Mandeln, begleitet von Trockenfrüchten, eingestellt wurden. Die Süßweinspezialität MOSCATELL mit 16% war ein toller Abschluss, Kaffee und Tee wurde noch serviert. Entspannende „Zigärrle“ ließen den Abend gegen Mitternacht ausklingen.

DONNERSTAG, 5. NOVEMBER 2009

Nach einem kurzen, schnellen Regen entwickelte sich der Tag doch ganz passabel.
Für heute war eine nicht alltägliche Überraschung geplant – wir bewegten uns mit flotten Quads durch die Landschaft von Weingut zu Weingut. Nach einer kurzen Einschulung bildeten sich 2er Teams und im Konvoi ging es los. Die flotten Geländefahrzeuge waren nicht nur gut zu fahren, sie brachten uns problemlos durch dieses abwechslungsreiche, sehr bergige Weinbaugebiet, das auch von zahlreichen Oliven- und Haselnussbäumen geprägt war. Auch verschiedene Gewürzkräuter sind in dieser trockenen Region zu finden. Auf den staubigen, sandigen Schotterwegen funktionierten die Fahrzeuge besonders gut, gerade die Fahrer hatten ihre spitzbübische Freude daran, wenn sie das eine oder andere Mal etwas mehr Gas geben konnten.

Etwa eine Fahrstunde später wurde die Ortstafel von „ESCALADEI“ sichtbar, dort wurden wir im Bodega LA CONRERIA D`SCALA DEI erwartet. Der neue Teil des Betriebes, der sich noch teilweise im Bau befindet wurde uns gezeigt, dort standen auch die Tanks der Jungweinverkostung aus verschiedenen Reben und Lagen. Ein Weißwein und sechs Rotweine im Embryostadium, noch dazu eine Ende September gelesene Rotweinmaische vom CARIGNAN konnte probiert werden.
 Im Panorama – Verkostungsraum mit Aussicht auf den Ort waren 8 Weine, wieder in hoher Qualität zu verkosten und zu bewerten.
1.    LES BRUGUERES 2008
2.    LA CONRERIA 2007
3.    LUGITER CRIANZA 2006
4.    LUGITER SELECCIÓN 1997
5.    LUGITER SELECCIÓN 2001
6.    LUGITER SELECCIÓN 2004
7.    LUGITER SELECCIÓN 2006
8.    LUGITER SELECCIÓN 2005

Die Geschichte von SCALA DEI reicht zurück bis ins Jahr 1163 als Karthäuser Mönche das Kloster „Santa Maria de Scala Dei“ gründeten und in der Region den ersten Wein anbauten. SCALA DEI ist somit die älteste Weinkellerei im Priorat, der seinen Namen dem Abt und Prior des Klosters verdankt.  Die Ursprünge der Scala Dei Kellerei gehen zurück ins 19. Jahrhundert, als die Familie Codorniu das Klosterland erwarb, und zu den Pionieren des Weinbaus im Priorat wurde. Die Rebsorte Garnacha in Verbindung mit Syrah und Cabernet Sauvignon bildet die Basis für die Weine von Scala Dei. Die Rebstöcke sind 25 – 60 Jahre alt und bringen wenige, aber hochkonzentrierte Trauben hervor. Körperreiche und fruchtige Weine von intensiver Farbe und hervorragender Struktur werden in der Scala Dei Kellerei hergestellt.

Die in Reih` und Glied aufgestellten Quads waren für die Weiterfahrt nach „LA VILELLA BAIXA“ bereit. In seinem Weingarten empfing uns STEFAN LISSMOND, um seine Arbeit in diesem Bereich uns zu erklären und auch die schöne Herbstlandschaft zu zeigen.
Nur wenige Meter weiter liegt im Ortszentrum das kleine Bodega „LA CASA DEL PONT“, dessen Besichtigung nur kurze Zeit erforderte. LISSMOND macht auch nur einen einzigen Wein – denn allerdings von allerhöchster Qualität, wie die spätere Verkostung deutlich zeigte.
Der „Keller zur Brücke“ ist ein Zusammenschluss verschiedener Winzer nach der Devise: Zusammen ist auch der Kleine stark. Über die Hälfte der Rebflächen besteht aus den begehrten „Vinyes Vells“ (alte, über 50jährige Rebstöcke), deren Trauben konzentrierte Weine hervorbringen. Die kleine Bodega findet man in einem alten Winzerhaus mitten im Ort. Kein Wunder, das der „LO GIVOT“ immer wieder für Überraschungen sorgt und auch in Zukunft sorgen wird.
Noch einmal durften die Quads bestiegen werden, um nach GRATALLOPS zum Restaurant „PIRO“ zu kommen. Eine halbe Stunde Fahrzeit später wartete im Restaurant eine geniale Weinpräsentation auf uns.
Der „LO GIVOT“ aus 4 Jahrgängen zeigte sich auf höchstem Niveau, die Teilnehmer waren begeistert.
1.    LO GIVOT 2006
2.    LO GIVOT 2004
3.    LO GIVOT 2005
4.    LO GIVOT 2003

Johannes Pfefferkorn brachte es in seinem Resumée auf den Punkt. Eine lange Tafel durch das ganze Restaurant lud ein, zum anschließenden Mittagessen Platz zu nehmen. Wieder gab es köstliche Gerichte der einheimischen, regionalen Küche.
Es begann mit einem Frisée-Salat mit Oliven, Thunfisch, Paprika, Olivenöl und Romanesco-Dressing – einen so genannten „Salat Xato“, danach „Escalivada“ (Paprika, Auberginen, Sardellen auf Toastbrot), dazwischen „gefüllte Avocados“, gefolgt von „dicke Bohnen mit Chorizo“. Das Hauptgericht stand wieder zur Wahl, eines davon war „Sepia amb Mandonguilles“ – Tintenfisch und Fleischbällchen mit Erbsen. „Crema Catalana“ oder „Frischkäse mit Honig“ war der Dessert-Abschluss. Dazu servierte Stefan Lissmond noch einen süßen Rotwein im Schnapsglas. Noch ein kleiner Espresso und schon war es wieder 16.00Uhr.

Nun brachte uns wieder der Bus nach Montsant zum Bodega CLOS MOGADOR. Vom berühmten RENÉ BARBIER begrüßt, kam sogleich ein VENUS 2006 ins Glas, danach ein VENUS 2007. Das Weingut liegt in der Gemeinde Gratallops und wurde im Jahre 1979 von RENÉ BARBIER unter den Namen „René Barbier & Fill (Fill – Sohn) gegründet. Während seiner Studienzeit in Bordeaux ging nach dem Tot seines Vaters das blühende Familienunternehmen „René Barbier“ in Penedès in Konkurs und wurde vom Multi Freixenet übernommen. Auf Grund der Verwechslungsgefahr änderte Barbier 1997 den Namen auf CLOS MOGADOR (den Namen seiner Frau). Er war einer der vier Winzer, die für den Erfolg des Gebietes verantwortlich sind.
Sein Urgroßvater Leon Barbier hatte schon 1870 Land im Priorato gekauft. Die Weinberge umfassen 20 Hektar Rebfläche, die mit Garnatxa Negra (Garnacha), Carinena, Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Syrah bestockt sind. Der als Kultwein gehandelte Rotwein „CLOS MOGADOR“ wird aus hauptsächlich Garnatxa Negra mit Anteilen anderer Sorten verschnitten und reift in französischen Barriques. Der Zweitwein heißt „CLOS MANYETES“ aus Carinena und Garnatxa Negra.
Einige Geländeautos standen bereit, für die Fahrt in die Weinberge rund um Gratallops. Obwohl der Wind schon sehr kühl war wurde inmitten der Rebflächen unter Olivenbäumen ein ideales Plätzchen gefunden, um zwei weitere, mit gebrachte Weine zu verkosten – LA VINYA DEL VUIT 2005 und VINYA GENTENARIA 2006 „VUIT“ – beides richtige Rotweinbomben, die in dieser natürlichen Gegend wo sie wachsen, am besten zur Geltung kommen – ein außergewöhnliches Erlebnis mit einem außergewöhnlichen Winzer.
Die bereits untergehende Sonne begleitete uns noch auf der Rückfahrt zur Bodega, wo noch am berühmten „CLOS – MOGADOR – WEINGARTEN“ vorbei gefahren wurde. Im Rahmen der Weingutbesichtigung wurden uns geniale Weine von absoluter Top-Qualität präsentiert und diese zwischen den Fassreihen verkostet.
Begonnen wurde mit einer Fassprobe 2009, vor 3 Tagen gepresst, dann folgte ein „Feuerwerk“ an Top –Weinen
1.    GRATALLOPS 2005
2.    CLOS MOGADOR 2000
3.    ESPECTACEL 2006

Man kann diese Weine individuell beschreiben, je nach eigenem Geschmack, Tatsache ist, es sind unglaublich kompakte, kraftvolle, harmonische und körperreiche „Rotweinbomben“ mit viel Aroma und Finesse, die international immer wieder große Erfolge feiern und mit vielen Punkten bewertet werden.

Für den Abend gab es noch zwei weitere Programmpunkte – das Olivenöl – Tasting im CASA RURAL und das Abendessen mit RENÉ BARBIER. Professionell vorbereitet, standen die Ölproben bereits in den blauen Gläsern, der obligatorische Apfel daneben, der Vortrag und die Probe konnten beginnen.

So wurden die Eigenheiten der Olivenölproduktion genau erklärt, alle unsere Fragen detailliert beantwortet und die drei verschiedenen Öle nach kurzem anwärmen in der Hand der Reihe nach verkostet. Der dazwischen gekaute Apfel neutralisierte den Gaumen, sodass jedes Olivenöl in gleicher Intensität gekostet werden konnte. Die Proben zeigten sich recht unterschiedlich – während das erste Öl sehr voll, mild und zart-bitter mit wenig Geschmack wirkte, war das zweite deutlich geschmackvoller, duftig-würzig nach Kräuter und Apfel, grasig-frisch und pikant – sehr delikat. Die Probe Nummer drei war wieder etwas milder, runder, aber auch würzig mit Kräuternoten, feingrasig und zart nach grünem Apfel – feine, aber doch gut erkennbare Unterschiede, wenn man mehrere Qualitäten nebeneinander kosten kann.

Das Restaurant „IRREDUCTIBLES“ in Gratallops war unser Ziel zum Abendessen. Zu unserer Ehre war auch RENÉ BARBIER mit dabei, was den Abend einen zusätzlichen Reiz verlieh.  Zu Beginn wurden drei Weine zügig verkostet:
1.    DIDO TINTO 2007
2.    VENUS 2007
3.    VENUS 2006

Zur Vorspeise „Green Salat mith artichoke, mushrooms, pomgranate and caviar“ kam der sehr fruchtbetonte,  trinkfreudige, typische mediterrane DIDO BLANCO 2008 in die Gläser. Das Hauptgericht „Jarret de veau with foi gras and red fruits“ wurde vom VENUS 2004 galant begleitet, aber auch der GRATALLOPS 2006 erfreute dazu die Gaumen der Genießer.
Der Käsegang kam als „a selection of five cheese from Catalonia, Spain and France“ , dazu ein enorm kraftvoller, dichter und delikater Weißwein mit 14% aus sieben Trauben hergestellt – NELIN 2007. Auch zum Dessert „Fig Carpaccio, balsamic caramel and raisin biscuit“ machte dieser Weißwein eine hervorragende Figur.
Mit RENÉ BARBIER am Tisch zu sitzen ist alleine seiner Art wegen schon ein besonderes Erlebnis. Er erzählte sehr viel, vor allem aber mit voller Begeisterung und Überzeugung von seinem Beruf und seiner Tätigkeit als Winzer und seiner Philosophie des Weinmachens. Wir durften eine große Persönlichkeit mit Format kennen lernen, nicht umsonst zählt er zu den berühmtesten Winzern Spaniens. Der Gemütlichkeit wegen wurde noch Kaffee, Petit fours und Brandy serviert, unsere besonderen Genießer zündeten sich noch ein „Zigärrle“ an. Eine wahre Konzentration von Pedro Ximenez war speziell zur Zigarre eine seltene Gaumenfreude.
Unser Busfahrer hatte um 23.30 Uhr Dienstschluss, er fuhr ohne uns ab – war uns in diesem Moment aber völlig egal. Es dominierte die Gemütlichkeit und Entspannung bei netter Unterhaltung unter lieben Freunden.
Zu unser aller Überraschung und großer Freude lud uns die charmante Beate zu diesem wundervollen Abend ein. Ein großer Applaus, ein herzliches Dankeschön und große Anerkennung waren ihr sicher, wo doch allein ihre Anwesenheit bei dieser Reise eine enorme Bereicherung und große Freude für alle Beteiligten war.
Von komfortablen Taxis zurückgebracht, die René Barbier organisierte und bezahlte, war die verdiente Nachtruhe der Lohn.

FREITAG, 6. NOVEMBER 2009

Das Frühstück war wieder typisch und ein ruhiger Tagesbeginn, die Abfahrt diszipliniert pünktlich.  Davor gab es wieder den „Koffermarsch“ durch die engen Gassen und Straßen des verschlafenen Örtchens, von oben nach unten zum Bus.
Die Fahrt nach EL MOLAR zeigte die eindrucksvolle Landschaft des PRIORAT noch einmal in voller Pracht bei herbstlichen Sonnenschein und etwa eine starke halbe Stunde später war die Bodega „CAL GRAU“ erreicht.
Wunderschön gelegen, wie auf einem Balkon mit herrlichem Ausblick in das bunte Weinland.

Empfangen vom freundlichen Wurden wir durch die moderne Bodega geführt, wo zuletzt im obersten, hellen  Verkostungsraum mit Aussichtsterrasse die Weine präsentiert wurden. Bodegas y Vinedos CAL GRAU mit seinen 40 Hektar im sehr hügeligen Gebiet des Priorat, ist von Weitem sichtbar – das attraktive, moderne Gebäude ist ein Mittelpunkt der prägnanten Landschaft um El Molar. Hier vereinigen sich drei Betriebe zu einer Gruppe – SAYAGO WINERY aus Toro mit den Top-Weinen „Yaso“ und „Vina Oropéndola“, VINAS DEL JARO aus Ribera del Duero mit „Sembro Tinto“, „Jaros“, „Chafandin“ und „Sed de Caná“, und CAL GRAU aus Priorat mit „La Ninota“, „Badaceli“ und „Les Ones“.
Es begann mit:
1.    YASO 2007 (100% Tempranillo) – Del Sayago, Morales de Toro
2.    LA NINOTA 2005  (GAR, MAZ, SY, M, CS)
3.    BADACELI 2005 (Samso,GAR,CS)
4.    LES ONES 2006 (SAMS,GAR,NEGRA,SY)
5.    EPILEG 2005 (GAR, MAZ,M)

Aus Ribera del Duero:
6.    SEMBRO 2007 (TEMP,M)
7.    JAROS 2006 (TEMP,CS,M)
8.    CHAFANDIN 2006 (TEMP)
9.    SED DE CANÁ 2006 (TEMP)

Mit der Verabschiedung bekam jeder Teilnehmer ein unerwartetes, großzügiges Geschenk, eine Magnumflasche LES ONES 2005 in der Holzkiste. Eine nette Geste, die große Freude machte.
Damit der Straße nichts passiert, fuhren wir mit sehr sicheren 25 – 30 km/h weiter Richtung FALSET.  In der Hauptstadt des Priorat wurden wir im Restaurant  „L` ASPIC“ erwartet, wo es mit einer Verkostung des „CELLER DE CAPCANES“ begann. Die „Cooperativa de Capcanes“ wurde 1933 von 125 Weinbauern gegründet und ist heute mit etwa 50% an der Gesamtproduktion des Priorats beteiligt.  In den letzten Jahren hat sie sich außerdem zu einer der qualitativ führenden in Spanien entwickelt. CAPCANES ist einer der Förderer der DO MONTSANT die früher der Subzone Falset der DO TARRAGONA entsprach. Aber der eigene Charakter in Sachen Klima, Boden und der dort ausgebauten Weine selbst, ermöglichte die Qualifikation einer eigenen DO.  Mit seinem sortenreinen „Garnatxa Cabrida“ ist die Bodega das Flaggschiff der Region. Ihr Reichtum liegt in der Vielfalt ihrer Rebflächen begründet. Die alten und sehr alten Stöcke zwischen 30 und 95 Jahren ermöglichen es, die besten auszusuchen und individuell auszubauen.

 Der weibliche Sommelier SANDRA leitete in sehr charmanter und gekonnter Art die Degustation folgender Weine:
1.    MAS DONIS 2007 „Barrica“ (GAR,SY)
2.    MAS COLLET 2007 (GAR,CAR,TEMP,CS)
3.    COSTERS DEL GRAVET 2006 (CS,GAR,CAR)
4.    CABRIDA 2007 „Garnacha Old Vines“
5.    FLOR DE PRIMAVERA 2007 „Peraj ha`abib“ – kosher (GAR,CAR,CS)
6.    PANSAL DEL CALÀS 2005 „Vi de licor“ (GAR,CAR)

Mit viel Applaus wurde Sandra verabschiedet, sie musste dringend weg, Eva-Maria machte ein kurzes, prägnantes Resumée. Die fünf Gänge des Mittagsmenüs boten typische Gerichte der Region, die übrigen Weine der Verkostung schmeckten dazu bestens.

Thunfischpastete auf Salatstreifen mit Kaviar
*****
Kartoffelsuppe mit Blutwurstscheibe und Olivenöl
*****
Pilzrisotto
*****
Gedünstetes Huhn der Region mit Kartoffeln und Zwiebeln
*****
Ananas – Carpaccio mit Granatapfelkernen und Vanillesauce
*****
Espresso

Die Einladung in diesem Restaurant wurde freundlicherweise von unserem PETER MORANDELL übernommen, obwohl er gar nicht dabei war.
Der Nachmittag war schon wieder fortgeschritten als wir den Bus bestiegen, um zurück nach Barcelona zu kommen.
Während der Fahrt dankte unser Präsident FRANZ PFEFFERKORN den Organisatoren BEATE ESPINOZA-MAYER und FLORIAN MOOSBRUGGER für die viele Arbeit um das zustande kommen dieser einzigartigen Weinreise, sowie BEATE noch einmal für die Einladung des gestrigen Abends. Der offizielle Teil der Reise war nun beendet, der Rest eine freiwillige Draufgabe.
Etwa zwei Fahrstunden, teilweise durch den Abendverkehr, wurden benötigt, um das Hotel NERI wieder zu erreichen.

Wie in Spanien üblich, wurde um 21.00 Uhr zum Abendessen gegangen, bis dahin war erholsame Freizeit angesagt.
Der kurze, abendliche Spaziergang führte ins Tappas – Restaurant „BAR DEL PLA“. Köstliche, kleine Gerichte zu exzellenten Weinen prägten den Abend. So möchte ich an dieser Stelle noch einmal an die vielen verschiedenen Genüsse erinnern. Nach und nach servierte man Tomatenbrot getoastet, Thunfischknödel, Thunfischtartare, Käsekroketten, kleine Gambas, Feigen mit Entenleber, Feigenbrot, Salat mit Kabeljau, Octobus im Kartoffelschnee gebacken, gebratene Pilze, Ochsenschwanz mit Gänseleber, Gemüsepizza, Seeteufel mit Tomaten und Kartoffeln, frische Früchte mit Schokosauce, Brownies mit Schokoeis und gebratenen Bananen, Espresso – dazu CAVA, PINOT NOIR, ROTWEINCUVÉE der Region, GRESA 2007, und Rotwein aus Toro – alles aus guten Jahrgängen und von Top-Produzenten.

Manche heiße Diskussion heizte die gute Stimmung noch zusätzlich an.
Kurz nach halb brachen die Ersten Richtung Hotel auf, da die ersten Abreisen schon sehr früh geplant waren.
Damit war diese wohl einzigartige Weinreise Geschichte, und ab sofort durfte man sich auf das nächste Ziel im kommenden Jahr freuen.

Mit freundlichen Grüßen aus Spanien,
Willi Hirsch

 

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